Bericht der Podiumsdiskussion „Friedens- und Konfliktforschung in der ‚Zeitenwende‘: Welche Forschung, wie gefördert, wie vermittelt?“

Im Rah­men des AFK-Kolloquiums 2025 disku­tierten am 20. März in Landau Vertreter:­innen aus Wissen­schaft und Forschungs­förderung über die Zukunft der Friedens- und Konflikt­forschung (FuK). Die Veran­staltung entstand in Kooperation mit den vom BMBF in der Förder­linie „Stärkung der Friedens- und Konfliktforschung“ geförderten Ver­bünden Deutungskämpfe im Übergang, TraCe und VesPoTec.

Auf dem Podium sprachen Dr. Thomas Held (Deutsche Stiftung Friedens­forschung), Prof. Dr. Jana Hönke (Universität Bayreuth), Dr. Christina Norwig (BMBF) und Prof. Dr. Jonas Wolff (PRIF). Moderiert wurde die Dis­kussion von Madita Standke-Erdmann (King’s College London/PRIF).

Einig­keit bestand darin, dass Friedens- und Konflikt­forschung gerade in Krisen­zeiten gesell­schaftlich unver­zichtbar ist. Zugleich braucht es strukturelle und lang­fristige Förderung, um wirksam zu bleiben.

Jonas Wolff erläuterte, wie das Forschungs­zentrum TraCe seine Agenda im Projekt­verlauf an­passen konnte – etwa durch einen wieder not­wendigen stärkeren Fokus auf zwischen­staatliche Kriege und neue Transfer­formate: „Die thematisch breite Struktur­förderung gab uns die Flexibilität, auf politische Ent­wicklungen zu reagieren – das ist ein großer Vorteil.“ 

Jana Hönke verwies in dieser Hinsicht darauf, wie die Forschung im bayerischen BMBF-Verbund Deutungs­kämpfe im Über­gang zeit­geschichtliche Perspektiven nutzt für das Verstehen der aktuellen Um­brüche. Sie betonte zudem, dass Friedens­forschung immer auch mehr sein müsse als Sicherheits­politik: „Wir brauchen Räume, um komplexe Gewalt­verhältnisse öffentlich zu verhandeln – lokal, historisch in­formiert und kritisch.“ Sie verwies auf innovative For­mate wie die Bayreuth Peace Talks und die Online-Enzyklopädie Rewriting Peace and Conflict (entstanden im Rahmen des ebenfalls BMBF-geförderten Netzwerks „Post­colonial Hierarchies in Peace and Conflict“), die wissen­schaftliche Er­kenntnisse über Hierarchien, Erinnerungs­kultur und koloniale Kontinuitäten einer breiten Öffentlich­keit zugänglich machen.

Sowohl Hönke als auch Wolff forderten bessere Perspektiven für den wissen­schaftlichen Nachwuchs und eine Förderung, die Vielfalt, kritische Ansätze und langfristige Kooperationen absichert.

Thomas Held (DSF) hob die Rolle der Deutschen Stiftung Friedens­forschung als themenoffene Impuls­geberin hervor, verwies aber zugleich auf die Grenzen projekt­basierter Förderlogik: „Ohne langfristige Stellen und gesicherte Infra­strukturen kann das aufgebaute Wissen schnell wieder verloren gehen.“

Christina Norwig (BMBF) betonte die Be­deutung der aktuellen Förder­linie zur Stär­kung der Friedens- und Konflikt­forschung, die auf Empfehlungen des Wissenschafts­rats basiert und zum Ziel hat, inter­disziplinäre Vernetzung, Inter­nationalisierung und nachhaltige Strukturen zu ermöglichen. Sie zeigte sich dankbar für die viel­fältigen Impulse aus der Community für die Weiter­entwicklung der Forschungs­förderung. 

In der Diskussion wurde aus dem Publikum heraus unter anderem kritisch beleuchtet, dass manche kleinere Standorte und etablierte, landesweite Strukturen wie die AFK oder ZeFKo bislang zu wenig in der Förderung berücksichtigt würden, und dass die Gefahr bestehe, dass die Friedensorientierung der Forschung zunehmend sicherheitspolitischen Fragen weiche.

Das Podium zeigte: Eine starke, vielfältige und öffentlich präsente Friedens- und Konfliktforschung braucht politische Rückendeckung – und strukturelle Verlässlichkeit.

Quelle: Dieser Veranstaltungsbericht wurde dankenswerterweise von unseren Kolleg*innen bei TraCe erstellt und ist zuerst auf der TraCe-Webseite erschienen.

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